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Indonesien – Yogyakarta

Indonesien – Yogyakarta April 2006

EIN REISEBERICHT DER BESONDEREN ART


DIE VORBEREITUNG

2006 hatte ich noch 10 Tage Resturlaub aus dem Jahr 2005, den ich bis Ende April nehmen musste, da die Urlaubstage ansonsten verfielen. Aber Urlaub nehmen und nicht wissen was ich in dieser Zeit machen sollte, das wollte ich auch nicht. Da machten einige meiner holländischen Arbeitskollegen mir den Vorschlag, das ich nach Yogyakarta/Indonesien fliegen solle. Super Wetter und tolle Sehenswürdigkeiten gäbe es dort zu sehen und es wäre auf jeden Fall eine Reise wert. Da ich aber der heimischen Küche verschrieben bin und somit nicht alles esse was auf einen fremden Tisch kommt, stand ich der Sache eher skeptisch gegenüber. Meine Kollegen konnten mich aber dahingehend beruhigen, da die Indonesische Küche überwiegend mit Fisch, Geflügel und Rind auf der Speisekarte aufwartet und ich nur darauf achten sollte, das die Speisen nicht all zu scharf gewürzt seien.

Da sich das schon besser anhörte sprach ich mit unserem Projektleiter um einen geeigneten Zeitraum zu finden, was auch schnell geschehen war. Die zuerst von mir anvisierte letzte Woche im Mai war leider nicht möglich – dazu später mehr – aber dafür die letzte Woche im April.

Mit diesen Infos ging es noch am gleichen Abend ins Internet um einen Flug mit KLM bei meinem Reiseagenten zu buchen und das passende Hotel in Yogyakarta gleich mit.

Die Flüge:
– Frankfurt nach Amsterdam
– Amsterdam nach Kuala Lumpur
– Kuala Lumpur nach Jakarta
– Jakarta nach Yogyakarta

Das alles war in ein paar Minuten erledigt und der Urlaub konnte kommen – DACHTE ICH!

Zwei Tage bevor mein Trip startete, fragten mich meine holländischen Kollegen ob ich meinen Urlaub schon storniert hätte? Die Frage konnte ich natürlich mit einem klaren „NEIN“ beantworten. Darauf hin zeigten sie mir einen aktuellen Internetbericht mit Bildern und 3min alten Videos die besagten, das der Weltgrößte und noch aktive Vulkan MERAPI, der in greifbarer Nähe von nur 15km vor den Toren von Yogyakarta über 2900m in den Himmel ragt, von Alarmstufe 3 auf die höchste Alarmstufe 5 geändert wurde und kurz vor dem Ausbruch stand – NA KLASSE – VORBEREITUNG IST DOCH ALLES!

Ich rief also sofort meinen Reiseagenten an der mich aber beruhigen konnte, da ihm noch keine Meldungen über Gefährdungen in diesem Gebiet vorlagen und ich beruhigt meinen Trip antreten könne.

Während ich also am Vorabend meine Koffer fertig packte und im Hintergrund die Tagesschau im Fernsehen lief, hörte ich den Nachrichtensprecher folgendes sagen: „Der auf der Insel Java in Indonesiens Weltgrößte noch aktive Vulkan Merapi steht nach Aussagen von Seismologen kurz vor einem Ausbruch. Den genauen Zeitpunkt des Ausbruches kann aber derzeitig noch nicht vorher gesagt werden.“ – WARUM MUSSTE ICH AUCH AUF HOLLÄNDER HÖREN!


DIE FLÜGE

Ich kann dir jetzt nicht sagen mit welchem mulmigen Gefühl ich am nächsten Morgen zum Flughafen Frankfurt aufgebrochen bin aber es war irgendwas zwischen himmelhoch jauchzend bis zu Tote betrübt. Bevor ich allerdings eincheckte rief ich nochmals meinen Reiseagenten an, der aber immer noch keine negativen Nachrichten bezüglich eines bevorstehenden Vulkanausbruches vorliegen hatte – Also, einchecken!
Als die nette Dame am Check-In Schalter mich fragte wo es denn hin ginge und ich ihr antwortete nach Yogyakarta/Indonesien, schaute sie mich mit so großen Augen an, das ich hätte aus dem Flughafen rennen können.

Mit den Worten „Na, sie sind ja ganz schön mutig“ checkte sie mein Gepäck ein und verabschiedete mich noch mit den Worten „angenehmen Aufenthalt!“

Der Flug von Frankfurt nach Amsterdam verlief ohne weitere Vorkommnisse außer das mir immer wieder die Worte der Dame vom Check-In Schalter durch den Kopf gingen. In Amsterdam hatte ich 2 Stunden Wartezeit, bis mein Flieger nach Jakarta/Indonesien startete. So schlenderte ich durch die Souvenirläden und versuchte einfach auf andere Gedanken zu kommen. Als die Zeit gekommen war für meinen Flug einzuchecken, lief ich zum Gate, lies die üblichen Sicherheitskontrollen über mich ergehen und setzte mich dann in den Wartebereich am Gate. Aber irgendwie ging nichts vorwärts und so war es nur eine Frage der Zeit, bis folgende Durchsage durch die Lautsprecher erklang: „Ladies and Gentleman. We would like to inform you, that our aircraft has a problem and need to be repaired first, before we can start. We would like to apologize our inconvience.“ – ZEICHEN, DAS SIND ALLES ZEICHEN!

Mit einer 2.5-stündigen Verspätung ging es dann doch noch los und ich war auf dem Weg in ein Land das ich nicht kannte, mit Essen was mir höchstwahrscheinlich nicht schmecken wird und einem 2900m hohen Vulkan der kurz vor dem Ausbruch stand – Eigentlich perfekte Aussichten für einen erholsamen Urlaub!

Nach 12 Stunden Flug hatten wir einen 1-stündigen Zwischenstopp in Kuala Lumpur/Malaysia bevor wir weiter nach Jakarta/Indonesien flogen. Natürlich konnten wir die verlorene Zeit durch den verspäteten Abflug in Amsterdam nicht wieder komplett gutmachen und landeten mit einer Stunde und 15 Minuten Verspätung in Jakarta/Indonesien. Die Formalitäten für das VISA waren schnell erledigt und ich ging einen Stock tiefer zum Check-In Schalter von Garuda Airlines um dort zu erfahren, das ich meinen Anschlussflug nach Yogyakarta nur knapp verpasst hätte aber heute leider kein weiterer Flug nach Yogyakarta mehr startete. – DA WAREN SIE WIEDER, DIE ZEICHEN!

Nach langem hin und her buchte mir dann die Fluggesellschaft ein Hotel für eine Nacht und den ersten Flug nach Yogyakarta um 10 Uhr in der früh am nächsten Tag – ALLES WIRD GUT!

Überpünktlich, wie es sich für einen Deutschen gehört, erschien ich am nächsten Morgen am Flughafen zum einchecken. Ich musste aber feststellen, das hier die Uhren etwas anders ticken als in Deutschland, denn es war hier keiner auch nur irgendwie aus der Ruhe zu bringen. Mit einer störrischen Ruhe wurden alle Formalitäten wie

– Flughafengebühr
– Koffer mit Folie verschweißen
– Ausweiskontrolle
– Flugticket ausdrucken
– etc.

abgewickelt und ich konnte dann in aller Ruhe und wegen der irren Hitze nassgeschwitzt zum Gate gehen. Mein Flug startete pünktlich und wir landeten nach nur 45min Flugzeit auf dem Rollfeld des Flughafens Yogyakarta. Der Pilot war so nett und drehte, bevor er zur Landung ansetzte, noch eine extra Runde um den Vulkan Merapi und erklärte, das dieser kurz vor einem Ausbruch stehe – ICH HATTE ES EIGENTLICH SCHON FAST VERGESSEN!

Wie auf kleinen Flughäfen üblich, mussten wir vor dem Flughafengebäude über das Rollfeld das Flugzeug verlassen. Aus dem doch gut klimatisierten Flugzeug raus lief ich gegen eine Hitzewand, wie ich sie bis dato noch nicht kannte. Den Gangway runter, eine kurze Strecke bis zum Gebäude und ich war wie geduscht. Also rein ins Gebäude und dort der nächste Schock – es war kalt wie in einem Kühlhaus aber nach ein paar Minuten doch sehr angenehm. Mein Hemd klebte wie eine zweite Haut an mir, als ich meinen Koffer vom Band nahm und ich konnte mich jetzt auf die Suche nach dem Chauffeur vom Hotel machen, der auch schon mit einem Schild bewaffnet in vorderster Front in der Empfangshalle stand. Mit dem Wort APA KABAR begrüßte er mich, nahm mir den Koffer ab und verschwand in der Menge! Ich blieb ihm auf den Fersen und rannte wieder gegen diese Wand, als ich das Flughafengebäude verließ. Mit einer Art Geländewagen, der in Deutschland jedem TÜV Mitarbeiter die Tränen in Augen treiben würde, ging es dann ins Hotel.


DAS HOTEL

Dort angekommen wurde ich von zwei sehr netten Damen empfangen, die das einchecken übernahmen. Die komplette Rechnung für den 10-tägigen Aufenthalt wurde von meiner Kreditkarte bereits im voraus abgebucht, was immerhin 180.000 RPH waren, was umgerechnet ca. € 180 Euro zu diesem Zeitpunkt entsprach. Danach wurde ich auf mein Zimmer im 2. Stock begleitet, das wir über einen Fahrstuhl erreichten. Nach dem wir den Fahrstuhl verlassen hatten war mir schon klar, das ich die nächsten 10 Tage die Treppe benutzen würde. Denn der schrottige Geländewagen war verglichen mit dem Fahrstuhl brand neu!

Mein Zimmer war, entgegen aller Erwartungen, voll der Hit. Es war recht groß, sauber, mit einem Doppelbett, einem großen Schrank, Schreibtisch und Fernsehen ausgestattet und auch das Badezimmer lies keine Wünsche offen. Auf dem kleinen Balkon hatten zwei Personen mit Stühlen und einem kleinen Tisch platz, was völlig ausreichend war. Und das alles für nur umgerechnete € 18 pro Tag!! Das einzige was nicht so ganz passte war der Ausblick vom Balkon, denn der ging direkt zum Vulkan Merapi – ICH LIEBE DICH JETZT SCHON!


DER 1. TAG IN YOGYAKARTA

Nach dem ich alles im Schrank verstaut hatte, rauchte ich meine erste Zigarette auf indonesischen Boden oder besser gesagt, auf indonesischen Balkon. Ich genoss den Ausblick, versuchte den Vulkan nicht all zu oft in Augenschein zu nehmen und fragte mich nach geraumer Zeit – Was zum Henker mache ich hier eigentlich? Nach dem meine senilen 5 Minuten vergangen waren, machte ich mich auf den Weg und mischte mich unter das Volk. Ich verließ das Hotel durch den Haupteingang, durchbrach die Hitzewand und stand auf dem Gehweg an der Hauptstraße. Die Hitze war echt gewöhnungsbedürftig und der Gestank in der Luft ebenfalls. Denn durch die unzähligen Mopeds, die auf der Straße unterwegs waren, lag ein leichter Benzingeruch in der Luft, der auch nach geraumer Zeit einen faden Geschmack auf der Zunge hinter lies. Ich lief rechts die Hauptstraße entlang und musste feststellen, das man es hier mit der Sauberkeit nicht allzu genau nahm. Stellenweise sah es aus wie auf einer Müllhalde, was den Gestank in der Luft an manchen Ecken auch erklärte.

Die Straße war gespickt mit, na, nennen wir es mal Shops, die alles mögliche verkauften. Angefangen von Obst, totem Getier, Dinge für den täglichen Gebrauch, Särge und eine Moped-Werkstatt nach der anderen konnte man alles finden was der Mensch zum Leben brauchte. Die Shops sahen allesamt aber auch nicht annähernd so aus wie die Shops, die ich von zu Hause aus kannte. Was mich aber am meisten faszinierte waren die unzähligen kleinen Tankstellen, die entlang der Straße zu finden waren. Hier wurde neben auftanken auch der Reifendruck gemessen, Ölwechsel durchgeführt … quasi alles was ein Moped so braucht. Moderne Filteranlagen, Wasserabscheider oder gar Ölabscheider waren Mangelware! Trichter drauf und dann ließen sie es laufen – EGAL WOHIN!

Mitten diesem organisierten Chaos fand ich doch tatsächlich eine Wechselstube – also rein und meine ersten €100 umtauschen. Für meine beiden €50 Scheine bekam ich gefühlte 100 kg indonesisches Papiergeld – mehr als 1 Million indonesische Rupiah! Mein erstaunter Blick hatte dem Kassierer gefallen, wie ich dem Lächeln in seinem Gesicht entnehmen konnte. Er gab mir den Tipp das ich nicht so viel Geld mit mir rumtragen sollte, da es zu gefährlich sei. Ich glaube wenn er gewusst hätte, welchen Wert meine Fotoausrüstung in meinem Rucksack hatte und was einer mit meiner Bank- und Kreditkarte alles anstellen könne, dann wäre er mehr geschockt gewesen als ich über den Stapel Papiergeld. Aber ich befolgte seine Hinweise und verteilte das Geld auf meine vier Hosentaschen, denn in meine Geldbörse passten die vielen Scheine beim besten Willen nicht.

Ich verließ also die Wechselstube wie ein Hamster mit dicken Backen und versuchte nun etwas essbares aufzutreiben, da mich so langsam aber sicher der Hunger packte. Ein Blick nach rechts, ein Blick nach links aber kein McDonalds war weit und breit zu sehen! Aber es waren unzählige Menschen mit mobilen Kochstellen unterwegs die, was auch immer es war, etwas essbares verkauften.

Da die europäische Schrittfolge der Indonesischen bei weitem überlegen war, überholte ich die ein oder anderen mobile Kochstelle locker und warf jedes Mal einen verstohlenen Blick in die Töpfe – Das konnte beim besten Willen kein Mensch essen! Vom Hunger getrieben jagte ich also jeder mobilen Kochstelle auf der Straße hinterher und siehe da, Fleisch am Spieß! Ich fragte den guten Mann was es sei und er antwortete mir „IALAH AYAM“ – was auch immer das jetzt heißen mag. Ich orderte einen Spieß, bezahlte RPH 1.500 was umgerechnet € 1.50 entsprach und bedankte mich artig. Aber irgendwie wich er mir nicht von der Seite, sondern wartete darauf, das ich anfing zu essen was mich wiederum misstrauisch werden ließ. Sein ständiges Lächeln im Gesicht, den Spieß in meiner Hand und das knurren in meinem Magen ließen mich dann doch schließlich ein kleines Stück Fleisch abbeißen – Es war Hühnchen! Mit einem ständigen Kopfnicken gefolgt von den Worten „Baik Baik“ schaute er mich an während ich den Hühnchen-Spieß verschlang. Ich orderte gleich noch zwei dieser Spieße und wir beide waren glücklich!

Nach dem ich mir dann noch etwas die Gegend angeschaut hatte, meine Kleidung wieder fast komplett durchgeschwitzt war und ich auch müde wurde, entschied ich mich zurück ins Hotel zu gehen. Dort angekommen nahm ich eine Dusche, legte mich in mein Bett und schlief zufrieden und glücklich ein.


DAS BÖSE ERWACHEN

Doch dann passierte es! Ganz tief in meinem Hinterkopf vernahm ich ein lautes Geschrei auf der Straße was ich versuchte zu ignorieren aber es wollte nicht Enden. Plötzlich fuhr es mir durch alle Glieder – Der Vulkan! Mit einem Satz sprang ich aus dem Bett und hörte das laute Geschrei jetzt klar und deutlich und es gab keinen Zweifel mehr. In meinen Gedanken spielte ich sofort so ziemlich jedes Szenario durch was zu der Situation eines Vulkanausbruches passen könnte und ging mit butterweichen Knien auf den Balkon, um einen Blick auf den Vulkan zu werfen – Entwarnung!
Das Geschrei kam von einer Moschee, die direkt neben meinem Hotel stand und das allmorgendliche Gebet wurde mit 4 riesigen Lautsprechern über die ganze Stadt verkündet.

Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, das es 5 Uhr in der Früh war und ich mich jetzt jeden Morgen auf das Gebet freuen durfte.

Info: Indonesien ist ein muslimisches Land und die Leute gehen bis zu 3 mal am Tag in die Moschee zum beten. Der Glaube ist in diesem Land sehr stark und die Menschen leben auch danach. Für einen Ungläubigen wie mich zwar nicht ganz zu verstehen aber akzeptabel!

Da es noch angenehm kühl war rauchte ich eine Zigarette auf dem Balkon und lauschte dem Gebet.

Nach einem reichhaltigen aber mittelmäßigen Frühstück, mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Kaffee, machte ich mich mit meinem Rucksack bewaffnet wieder auf den Weg die Gegend zu erkunden. Ich lief wieder die Hauptstraße rauf, kam an der Moschee vorbei und Leute, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, grüßten und lächelten mich an. Viele Menschen waren auf der Straße unterwegs und teilweise konnte ich auch erkennen, das einige dort schliefen, wo sie tagsüber ihren Verkaufsstand hatten. Aus Respekt vor diesen Menschen hatte ich davon abgesehen Bilder zu machen aber es war für mich schon ein komisches Gefühl.

Ich stand eine lange Zeit an einer der vielen Kreuzungen und war im höchsten Maße davon beeindruckt, mit welcher Art und Weise die Fahrweise der Mopeds und das Miteinander organisiert war.

Info: In Indonesien ist das Hauptfortbewegungsmittel ein Moped. Fast jeder in einer Familie besitzt eines oder eine komplette Familie sitzt mit Kind und Kegel auf einem. Es wird der komplette Einkauf vom Markt oder was man sonst so alles kaufen kann, darauf verstaut. Manch einer hier zu Hause hätte das Problem, alles was auf einem dieser Mopeds untergebracht wird in seinen Caravan zu verstauen. Da Yogyakarta über 600.000 Einwohner hat und auch drei international anerkannte Universitäten, in denen Studenten aus ganz Indonesien studieren, und (fast) jeder ein Moped besitzt, kannst du dir mit Sicherheit vorstellen, wie viele Mopeds auf den Straßen von Yogyakarta unterwegs sind – 100.000te!!!!

An den meisten Kreuzungen starteten pro Ampelphasen bis zu 40 Mopeds in einer Fahrtrichtung, was einem Formal Eins Start gleich kam. Es war faszinierend mit anzusehen wie dieser Start organisiert war und wie jeder auf den anderen Rücksicht nahm. Kein hupen, kein meckern in welcher Art und Weise auch immer. Wenn der Vordermann schlief und nicht zügig los fuhr, dann wartete der Nachfolgende halt oder überholte ihn ohne dabei Worte zu verlieren. Auch das Parken war sehr gut organisiert. Wo immer auch nur ein paar Quadratmeter platz war befand sich ein Parkplatz für Mopeds, der durch einen Einweiser organisiert war. Der Einweiser parkte das Moped gegen Bezahlung von umgerechnet €1 und man bekam dafür ein Ticket. Die Mopeds standen dadurch in Reih und Glied und niemand durfte die Mopeds anfassen. Bei der Abholung war es umgedreht, denn der Einweiser holte gegen Rückgabe des Tickets das Moped, man konnte aufsteigen und losfahren

Nach ca. einer Stunde Fußmarsch erreichte ich die „Malioboro Road“, Haupteinkaufsstraße von Yogyakarta. Es war wie das Betreten einer anderen Welt, denn hier waren die Reichen der Stadt zum Einkaufen unterwegs. Ein hochmodernes Kaufhaus (Malioboro Mall) war hier ebenso wie unzählige Elektrogeschäfte vertreten. Das Kaufhaus hatte mehr als westlichen Standard und ich fühlte mich so, als wenn ich zu Hause in den Karstadt ging. Der einzige Unterschied von zu Hause war, das hier ein Sicherheitsdienst am Eingang stand um die Reichen vor den Armen zu beschützen – KRASS!

Das Kaufhaus hatte alles zu bieten was das Herz begehrte und zu Preisen, wo sich sogar mir der Magen umdrehte. Denn bereits im Vorfeld plante ich mir einen tragbaren DVD-Player hier zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen. Aber als ich die Preise dafür sah, wurde mir fast schlecht. Umgerechnet fast das doppelte kostete ein Sony DVD-Player hier im Vergleich von zu Hause – WER KANN DAS HIER BEZAHLEN?

Im 2.Stock des Kaufhauses entdeckte ich das Cafe Excelso! Da der Kaffee in meinem Hotel mehr was für einen Kaffeesatzleser war als das man ihn trinken konnte, entschied ich mich aus dem reichhaltigen Angebot mit Kaffeesorten aus Indonesien, Kolumbien, Malaysia etc mir eine Tasse Kaffee zu genehmigen. Allerdings war es mit den Preisen für eine Tasse Kaffee das gleiche, wie mit dem Preis des DVD-Players. Denn verglichen mit Preisen außerhalb der Mall kostete hier eine Tasse Kaffee soviel wie in Frankfurt auf der Zeil – Aber dafür schmeckte der Kaffee mega lecker!

Nachdem ich mir also meine Tasse Kaffee habe schmecken lassen, schlenderte ich noch ein wenig durch das Kaufhaus und war schon wieder fast auf dem Weg nach draußen als ich meinen Augen nicht traute – EIN McDONALD!

Das Angebot hier war fast das Gleiche wie überall auf der Welt, nur mit dem einen Unterschied, das es nicht nur Pommes gab sondern auch gekochter Reis und riesige Maiskolben. Also, einen Big Mac bestellt, Pommes, eine Coke dazu und fertig war das Abendessen.

Wieder raus aus dem Kaufhaus wollte ich zurück ins Hotel, da ich schon den ganzen Tag auf den Beinen war. Aber nach Laufen war mich nicht zu mute und so entschied ich mich mit einer der Rikschas, in Indonesien auch Becaks genannt, mich fahren zu lassen. Direkt gegenüber dem Kaufhaus war ein großer Parkplatz wo viele Becaks-Fahrer parkten und auf Kundschaft warteten. Einer dieser Fahrer fiel mir sofort auf, da er wie wild in meine Richtung gestikulierend winkte. Nach kurzem Zeichensprachen austausch mit ihm war mir klar – ER MEINTE MICH!

Im gebrochenen Englisch sagte er mir, das er mir jetzt schon seit 2 Tagen hinterher fährt und darauf wartete, das ich einen fahrbaren Untersatz benötige. Völlig überrascht nahm ich auf dem Sitz platz und wollte ihm meine Adresse vom Hotel mitteilen, was aber nicht nötig war, denn die kannte er bereits schon – UNGLAUBLICH!

Am Hotel angekommen bezahlte ich die vorher vereinbarten 1.500 RPH (hier scheint alles soviel zu kosten) und er fragte mich, ob er mir die Sehenswürdigkeiten von Yogyakarta zeigen könnte. Nach kurzem Überlegen stimmte ich zu und somit hatte ich für den Rest meiner Urlaubstage meinen eigenen Becak-Fahrer!


KRATON – SULTAN PALACE

Am nächsten Morgen stand er wie vereinbart Punkt 10 Uhr vor dem Hotel und wir machten uns auf zum „Kraton“ auch „Sultan Palace“ genannt, die erste Sehenswürdigkeit die ich sehen würde.

So ein Palast sieht in jedem Land gleich aus. Der einzige Unterschiede sind hier die landestypische Gepflogenheiten und Bauarten. So spielte ein Ensemble am Eingang auf typisch indonesischen Instrumenten (die überwiegend aus einer Art Hohlkörper bestanden) die typisch traditionelle Indonesische Musik, die sehr beruhigend auf einen einwirkte. Die Dame auf dem zweiten Bild rechts war die Beste. Sie hatte in einem Rhythmus von ca. 5 min nur einmal einen Hohlkörper zu klopfen und blieb für die restlich Zeit beschäftigungslos.

Die Gebäude waren sehr pompös gebaut und man konnte sagen, das der Sultan in Saus und Braus lebte und sein Volk in Armut – ALSO WIE IN JEDEM LAND!


TANTALIZING TAMAN SARI – WATER CASTLE

Vom „Sultan Palace“ aus ging es dann weiter zum „TANTALIZING TAMAN SARI“ auch „Water Castle“ genannt, einen weiteren Sitz des Sultans. Hier verbrachte er mit seiner Familie schöne Stunden und genoss das Leben in vollen Zügen.

Erbaut wurde das Water Castle 1758 von Sultan Hamengkubuwono der 1. und es wurde als eine Art Erholung-Domizil für die königliche Familie genutzt. Das Wort „TAMANSARI“ bedeutete „Schöner Garten“ wie man auch auf den Bildern sehr gut erkennen kann.

Leider wurden die Gebäude größtenteils während des großen Erdbebens 1867 zerstört und teilweise wieder mit aufwendigen Renovierungsarbeiten aufgebaut.


MUSEUM KEMABLI

Am nächsten Tag ging es wieder um 10 Uhr vom Hotel aus los und zwar zum „KEMABLI“ Museum. Allerdings verlangte mein Becak-Fahrer für diese Fahrt 5.000 RPH (€5) – und zwar einfache Fahrt!. Er erklärte mir das die Fahrstrecke sehr weit sei und teilweise auch steil wäre und es den Preis von 5.000 RHP rechtfertigen würde. Ein Blick auf meine Karte aber verriet mir, das die Strecke nicht viel weiter sein könne als zur Malioboro Mall und ich handelte ihn um die Hälfte runter. Stolz über mein vorher nicht bekanntes Verhandlungsgeschick nahm ich im Becak platz, genoss die Aussicht, während mein Fahrer in sengender Hitze sich hinter mir einen abstrampelte.Nachdem wir schon eine Stunde unterwegs waren, vom Museum weit und breit nichts zu sehen war, packte mich dann doch das schlechte Gewissen. Kurze Zeit später fuhren wir geradewegs auf einen Hügel zu und die Trittfolge meines Fahrers wurde immer langsamer. Innerhalb der nächsten Stunde stieg ich dann zweimal ab und half ihm sogar das Becak
zu schieben, da der doch schmächtig gebaute Indonesier meinen europäischen Prachtkörper nicht mehr vorwärts brachte. Nach (fast) 3 Stunden Fahrzeit erreichten wir dann das Museum und mein Fahrer war kurz vor einem Zusammenbruch. Ich kaufte ihm erst einmal zwei gekühlte Flaschen Wasser bevor ich mich auf den Weg ins Museum machte.

Als ich das Museum betrat wurde ich nett von zwei Herren begrüßt, zahlte den Eintrittspreis, musste mich in ein Besucherbuch eintragen und anschließend das Museum wieder verlassen.

Die beiden Herren erklärten mir das sie mich rufen würden, wenn es soweit ist und somit verließ ich wieder das Gebäude. Noch keine Minute später wurde ich, wie ein kleines Kind von der Eltern an Weihnachten, ins Museum gerufen. Als ich den Eingang passierte ertönte eine Stimme und sagte: „Welcome Mikel from Germany. We wish you a plessant stay and enjoy your time!“ Völlig überrascht und stolz wie Oskar marschierte ich also jetzt durch das Museum. Das Museum erzählt die Geschichte der Indonesier, wie sie sich in den Jahren von 1948 bis 1949 von der Besatzung der Holländer befreiten und ein unabhängiges Land wurden. Die Geschichte wurde in Schaufenstern mit lebensechten Puppen wie bei Madame Tussauds in London in den speziellen Szenen nacherzählt und war sehr interessant – Kann es nur jedem empfehlen sich das Museum anzuschauen!

Nachdem ich fast zwei Stunden im Museum verbrachte ging es auf dem Weg zurück zu meinem Becak-Fahrer, der wieder sichtlich erholt schien. Für den Rückweg benötigten wir knapp die Hälfte der Zeit wie für den Hinweg und am Hotel angekommen gab ich ihm nicht wie vorher vereinbart die 10.000 RPH, sondern 20.000 RPH. Denn es war ein irrer Weg den er in sengender Hitze zurückgelegt hatten. Freudig überrascht verabschiedete er sich und somit hatte dieser Tag auch noch ein Happy End für ihn!


PASAR MALAM

Am nächsten Tag lies ich mich von ihm zu einem der meist belebtesten Plätze in Yogyakarta fahren – „PASAR MALAM“. Dieser Platz ist Treffpunkt für ganze Familien auf dem Picknick oder auch Spiele veranstaltet wurden. Der Platz war umrahmt mit kleinen Ständen die alles mögliche verkauften. Eine mobile Kochstelle stand neben der Anderen genau so wie kleinere Souvenirstände und man konnte alles kaufen was das Touristenherz begehrte.

Info: Auf dem Platz ist Leben den ganzen Tag bis spät in die Nacht und wer mal sehen möchte wie Indonesier so leben sollte das Spektakel nicht verpassen.

Von Pasar Malam aus lief ich nach geraumer Zeit weiter zur Malioboro Road, um im Cafe Excelso einen Kaffee zu trinken. Die Straße war wieder einmal dicht bevölkert und viele Studenten waren von den drei Universitäten dort ebenfalls unterwegs. Da man als Tourist dort schnell auffällt dauerte es auch nicht lange, bis ich von Studenten zur einer Umfrage eingeladen wurde. Mit den üblichen Fragen wie…

Wie heißt du?
Woher kommst du?
Wie lange bist du hier?
Wie bist du hergekommen?
Welche Bewegungsmitteilung nutzt du?
Welche Sehenswürdigkeiten hast du schon gesehen oder willst du noch sehen?

wurde ich bombardiert. Alles wurde digital mit einem Diktiergerät aufgenommen und wir hatten eine Menge Spaß. Nachdem ich alle Fragen beantwortet hatte sagt einer der Studenten, das es ein weiter Weg mit einem Becak zu den Tempeln „Prambanan“ und „Borobodur“ wäre. Er könnte mir aber anbieten mich mit seinem Moped zu den Tempeln zu fahren, ich könnte dort soviel Zeit wie ich wollte verbringen und er würde mich anschließend wieder zurück zum Hotel bringen – HÖRT HÖRT

Als Preis für sein Angebot nannte er mir jeweils das Betanken des Mopeds für 1.000 RPH (€1) und 10.000 RPH (€10) pro Tag. Da dies ein verlockendes Angebot war und ich auch in den Genuss kommen würde mit einem Moped fahren zu können, willigte ich ein. Also tauschten wir die Handynummern aus und ich würde mich bei ihm melden, vorzugsweise am Wochenende, um einen genauen Zeitpunkt zu vereinbaren.


TEMPEL PRAMBANAN

Gesagt, getan und am Samstag um 10 Uhr sollte es losgehen. Pünktlich wie mein Becak-Fahrer zuvor stand Erik mit seinem Moped vor dem Hotel. Er überreichte mir eine Art Sturzhelm, was nichts anderes als eine bessere Plastikmütze war und bei einem Sturz überhaupt nichts helfen würde. Also setzte ich den Deckel auf, nahm auf dem Moped platz und los ging es.

Das Moped war eine Honda halb Automatik, bei der die Gänge ohne Kupplung mit einer Fußwippe eingelegt wurden. Was man nicht sehen konnte, wenn man nach dem Mopeds geschaut hatte war, das es abging ab wie Schmitz Katze und wir stellenweise mit bis zu 80 km/h schnell unterwegs waren. Teilweise fühlte ich mich wie bei einem Motorradrennen, da wir in Schlangenlinien jedes Hinternies um fuhren, was uns im Weg stellte – WAS EIN SPAß!

Allerdings nahm es mein „HELL DRIVER“ mit der Straßenverkehrsordnung nicht so ganz genau und wir passierten wieder einmal eine rote Ampel. Plötzlich, wie aus dem Nichts, sprang ein Polizist hinter einem Baum hervor und zeigte deutlich und unmissverständlich auf uns. Nur 10 m weiter kam ein weiterer Polizist zum Vorschein, was jetzt das Signal war zu bremsen und anzuhalten.

Ich dachte nur – Alles und nur das nicht! Bloß kein Ärger als Tourist mit der ortsansässigen Polizei! Aber zum Glück ließen die Beamten mich links liegen und beschäftigen sich nur mit Erik. Als er das Bußgeld in Höhe von 2.000 RPH bezahlen musste schaute er mich mit einem hilflosen Dackelblick an. Ich dachte nur – Du bist über die rote Ampel gefahren, also zahlst du auch das Bußgeld.

Als er das Bußgeld bezahlt hatte kam er mit gesenkten Kopf zurück und von nun an ging es in normaler Geschwindigkeit und Fahrweise weiter – LEIDER!

Als wir die Tempelanlage erreichten, das Moped sicher geparkt war, gingen wir gemeinsam zum Eingang. Da ich jetzt nicht wollte, das Erik wie ein Hund draußen alleine sitzen musste bis ich wieder zurück war entschied ich mich, ihn mit zur Tempelanlage zu nehmen. Vielleicht weis er ja auch etwas über den Tempel und kann es mir dann erzählen, so dachte ich es mir. Das Eintrittsgeld allerdings war sehr Gewöhnungsbedürftig. Einheimische zahlten einen anderen Preis als Touristen, der Preis für Einheimische wurde in Rupiah und für Touristen in US Dollar berechnet. Und da ging es schon los, denn US Dollar hatte ich keine, sondern nur Rupiah und zum Glück auch Erik. Er regelte alles mit dem Kassierer, ich konnte in Rupiah bezahlen und die erste Hürde war genommen – EIN GUTES TEAM!

Leider wusste Erik über die Geschichte des Tempels absolut überhaut nichts – UNFASSBAR – und somit kaufte ich noch eine Broschüre um wenigstens einige Information zu bekommen.

Prambanan ist die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens und befindet sich etwa 18 km östlich von Yogyakarta und wurde 1991 auch von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Errichtet wurde Prambanan um das Jahr 850, entweder unter Rakai Pikatan, dem König der zweiten Mataram-Dynastie, oder unter Balitung Maha Sambu während der Sanjaya-Dynastie. Schon bald nach seiner Fertigstellung wurde der Tempel verlassen und begann zu verfallen. Der Wiederaufbau des Komplexes begann 1918 und ist noch nicht abgeschlossen. Das Hauptgebäude wurde erst 1953 fertiggestellt. Vor allem das Wiederauffinden und die korrekte Zuweisung des ursprünglichen Baumaterials bereitet Probleme, da oftmals Material an weit entfernten Bauten wiederverwendet wurde. So werden nur Gebäude wiederaufgebaut, von denen mindestens 75% der ursprünglichen Steine vorliegen, und von vielen der kleineren Schreine kann man immer noch nicht viel mehr als die Grundmauern sehen.

Charakteristisch ist die hohe und spitze Bauform, die typisch für hinduistische Tempel ist, sowie die strenge Anordnung zahlreicher Einzeltempel um das 47 m hohe Hauptgebäude in der Mitte. Die Anlage setzt sich aus acht Hauptschreinen oder -tempeln zusammen, sowie mehr als 250 Einzeltempeln, die Hauptschreine umgeben. Die drei größten Schreine, Trisakti („drei heilige Orte“) genannt, sind den drei Göttern Shiva dem Zerstörer, Vishnu dem Bewahrer, und Brahma dem Schöpfer geweiht. Das entspricht der Grundstruktur der Trimurti – der Hindu-Göttertrinität -, die sich in vielen hinduistischen Tempelanlagen, auch in Indonesien (z.B.: Besakih in Bali), wiederfindet. Im Umkreis von wenigen Kilometern vom Prambanan-Tempel befinden sich noch weitere hinduistische Tempel, die aber größtenteils nicht rekonstruiert wurden.

Als wir abends wieder zurück in Yogyakarta waren, fuhren wir zu einer dieser vielen kleinen Tankstellen, die in allen Straßen zu finden waren, um das Moped mit Sprit zu versorgen. Während der „Tankwart“ mit einem Trichter und Glasflasche bewaffnet das Moped betankte, vereinbarten wir gleich für den nächsten Tag eine Fahrt zum 40km entfernten BOROBUDUR TEMPEL.


TEMPEL BOROBUDUR

Erik holte mich also um 10 Uhr morgens am Hotel ab und wir mussten wieder zuerst das Moped voll tanken – HATTEN WIR DAS NICHT SCHON GESTERN ABEND GETAN.

Auf dem Weg zum Tempel fuhren wir durch wunderschöne Landschaften, von denen ich leider keine Bilder habe. Angekommen am Tempel-komplex traute ich meinen Augen nicht – DAS DING IST JA RIESIG!

Borobudur ist eine der größten buddhistischen Tempelanlagen Südostasiens. Die kolossale Pyramide befindet sich 40 Kilometer nordwestlich von Yogyakarta. Gebaut wurde die Stupa vermutlich zwischen 750 und 850 während der Herrschaft der Sailendra-Dynastie. Jahrhunderte lang lag sie unter Schichten vulkanischer Asche verborgen, bis im Jahr 1835 Europäer sie wieder ans Tageslicht brachten. Ein Restaurierungsprogramm in der Zeit zwischen 1973 und 1984 brachte große Teile der Anlage wieder zu früherem Glanz – Borobudur wurde 1991 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.

Insgesamt neun Stockwerke türmen sich auf der quadratischen Basis von 123 m Länge. An den Wänden der vier sich stufenartig verjüngenden Galerien befinden sich Flachreliefs in der Gesamtlänge von über fünf Kilometern, welche das Leben und Wirken Buddhas beschreiben. Darüber liegen drei sich konzentrisch verjüngende Terrassen mit insgesamt 72 Stupas, welche die Hauptstupa von fast 11 m Durchmesser umrahmen.

Auf dem Rückweg nach Yogyakarta handelten wir uns einen Platten ein, da wir irgendwo über einen Nagel gefahren waren. Aber dank der vielen unzähligen Pit-Stopps an den Straßen, konnten wir den Platten für 5.000 RPH (€5) reparieren lassen und kamen spät abends in Yogyakarta an. Ich gab Erik, wie vorher vereinbart, die 10.000 RPH pro Tag und selbstverständlich auch das Geld für die Reparatur und das Bußgeld für die „Rote Ampel“ tags zuvor. Darüber war er sowas von happy das er mir versprach etwas zu zeigen, was mir bestimmt gefallen würde. Also verabredeten wir uns für den nächsten Tag nachmittags vor meinem Hotel.


PANTAI PARANGTRITIS

Wie versprochen stand Erik am Nachmittag mit seiner Honda vor dem Hotel, überreichte mir wieder den Plastikdeckel und wir fuhren los. Wo es hingehen sollte sagte er mir nicht aber wir fuhren eine (fast) kerzengerade Straße, an der, wie an einer Perlenschnur gezogen ein Reisfeld nach dem anderen lag. Stellenweise konnte ich sehen wie noch die Reisbauern die Felder bestellten oder auf der Veranda vor ihrer Hütte saßen um sich zu erholen.

Nach einiger Zeit kamen wir an eine Mautstelle, wo ich eine kleine Maut bezahlen musste, die kaum der Rede wert war. Da ich aber nur 5.000 und 10.000 Rupiah-Scheine mit mir hatte, bekam ich das Wechselgeld in einer Art und Weise wieder, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Die Münzen waren in 1.000 RPH Scheinen eingewickelt und das ganze als Figur modelliert – WIE BEI DER DUPLOWERBUNG IM FERNSEHEN

Nach nur 5 min Fahrzeit von der Mautstelle kamen wir am Ziel an. Es war der Strand „PARANGTRITIS“ der auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Strand aussah, es aber in sich hatte. Es herrschte absolutes Badeverbot, da die Strömung so unberechenbar war und es einen unwillkürlich in die Tiefe zog. Der Grund dafür lag einige 100m draußen auf See, da dort unter Wasser die Küste von jetzt auf gleich bis zu 7000m kerzengrade nach unten viel.

Welche Kraft das Wasser hatte bekam ich zu spüren, als ich das Bild mit dem Felsen machte. Eigentlich in Sicherheit stehend setzte ich die Kamera an um das Bild zu machen und stand URPLÖTZLICH bis zu den Knien im Wasser (man kann das zurücklaufende Wasser noch auf dem Bild erkennen). Da ich mir vor Schreck fast in die Hosen gemacht hatte,
drückte ich schnell den Auslöser und es ging im Laufschritt zurück an einen sicheren Platz – UFF!

Da Indonesien nah am Äquator liegt, sind Sonnenaufgang und Sonnenuntergang eine Sache von Minuten. Ich konnte von daher einen Sonnenuntergang der Extraklasse miterleben, der bislang der beste Sonnenuntergang war, den ich gesehen hatte. SEUFZ!

Da es jetzt auf dem Rückweg nach Yogyakarta bereits dunkel war, kamen nicht nur unzählige Menschen auf die Straße, sondern auch jede Menge Ungeziefer flog durch die Luft, was man tagsüber nicht hatte. Da Erik ein Tuch hatte, was er sich nach „MIKEL JACKSON“ Manier vor den Mund gebunden hatte, saß ich ohne auf dem Rücksitz und schluckte jede Menge von diesen fliegenden Fleischeinlagen – BÄH!

Da mich die fliegenden Fleischeinlagen nicht wirklich satt machten und mich der Hunger immer noch gepackte hatte, fuhr Erik mich an einen Platz, bei dem ich aus dem Staunen auch nicht mehr heraus kam. Es war ein Parkplatz vor einer Bank, wo sich zwei mobile Kochstellen zu einem Verkaufsstand zusammen getan hatten. Das ganze war, glaube es oder nicht, eine Art „DRIVE IN“. Unzählige Mopeds stoppten hier, orderten was zu essen und fuhren wieder weiter. Das ganze war organisiert bei einem extra angeheuerten „Einweiser“ der den anfahrenden Mopeds, wie ein Lotse auf einem Flughafen, die richtige Parkposition zuteilte.

Verkauft wurde hier „MARTABAK“ , was eine landestypische Speise ist wo eine Art Blätterteig in einem Wog mit Öl gebacken wurde. In die Mitte des Teiges wurde eine Füllung aus geschnittenen Zwiebeln, geriebener Knoblauchzehe, Rührei, kleine Stücke Hühnchenfleisch und diversen Gewürzen gegeben, dann das ganze als eine Art Paket geformt und knusprig gebacken. Der Preis für eine Portion lag bei 1.500 RPH (€ 1,50) und schmeckte – SEHR SEHR LECKER!

Hier das Rezept dazu:

– 300g Weizenmehl
– 1 Ei
– ½ TL Salz
– 4 EL Pflanzenöl
– 150ml Wasser
– Öl zum Einreiben des Teigs
– ½ Bund Frühlingszwiebeln
– 4 Schalotten
– 2 Knoblauchzehen
– 2 EL Pflanzenöl
– 200g Rinderhackfleisch
– 1TL Sambal ulek
– Salz
– 1 Ei
– 1/8l Öl

So saßen wir also auf dem Randstein, sahen dem Treiben beim „Martabak Drive In“ zu und aßen unser Paket. Aus dem ursprünglichen Touristen und Fahrer Dasein wurde eine Freundschaft mit Erik. Er wollte kein Geld mehr dafür haben das er mich durch die Gegend fuhr, sondern hatte mittlerweile genau so viel Spaß an der Sache wie ich auch. Als er meinen Silberring an meinem Finger sah, den ich mir bei einem Trike-Treffen zugelegt hatte fragte er mich, ob ich Gefallen an solchen Dingen habe? Da ein schöner Ring nichts schlechtes ist und ich seine Frage mit JA beantwortete, vereinbarten wir wieder ein Treffen für den nächsten Tag -ICH WAR SEHR GESPANNT WAS KOMMEN WÜRDE!


KOTAGEDE – DIE SILBER-STADT

Vor den Toren von Yogyakarta liegt der Vorort KOTAGEDE, die auch als Silver-City im Reiseführer zu finden ist. Zu diesem Vorort fuhren wir durch unzählige kleine Gassen, wo das Leben der Einheimischen zu Hause war. Es war nichts zu sehen von Tourismus, teuren Hotels oder was man sonst noch damit verbunden hätte. Jede Menge kleine Shops mit allerlei und kleinere Häuser zierten die Gassen.

In Mitten dieser Idylle waren die Silber-Werkstätten zu finden. Hier wurden alle möglichen Schmuckstücke in kleinen und mittelgroßen Werkstätten in filigraner Handarbeit hergestellt. Die Arbeitsbedingungen waren in keiner Weise mit der die wir kennen zu vergleichen. Die Mitarbeiter saßen 10 Stunden am Tag und 6 Tage die Woche auf einer Holzbank und stellten in filigraner Handarbeit kleine Kunststücke her.

Die Schmiede selbst sah mehr aus als stünde sie noch aus dem letzten Jahrhundert. Auch das reinigen des Silbers, nach dem es aus dem „Hochofen“ kam, war alles andere als modern. Bis zu vier Mitarbeiter saßen an einem Tisch, auf dem Behälter mit einer Flüssigkeit standen. Mit Hilfe dieser Flüssigkeit und einer Zahnbürste wurde das Silber mit der Hand gereinigt. Keine Spur von Atemschutz oder Handschuhen! Ein deutscher Gewerkschaftler hätte hier seine helle Freude daran, wenn er über Arbeitszeit, Sicherheit am Arbeitsplatz und Arbeitsbedingungen zu entscheiden hätte!

Da mir der Vulkan Merapi vor Antritt meiner Reise und auch anfangs in Yogyakarta Kopfzerbrechen bereitet hatte, entschied ich mich im Shop, einen handgefertigten Ring mit einem Merapi-Lava-Stein zu kaufen. Die Größe 64, für meinen dicken Finger, war leider nicht mehr vorrätig und somit gab es nur eine Möglichkeit. Ich gab der Dame meine Adresse, da sie auch Schmuckstücke in alle Welt verschickte und hoffte, das mich der Ring eines Tages erreichen würde. Bezahlt habe ich dafür 35.000 RPH (€ 35,-) und warte noch bis heute auf den Ring – ES WAR EIN VERSUCH WERT!


ENDE VON EINEM URLAUB

Mit dem Besuch in Silver-City endete auch mein Urlaub und ich flog am nächsten Tag zurück in die Heimat. Festhalten kann ich, das ich eine andere Welt kennen gelernt hatte, bei denen Probleme noch lange nicht das Leben aus den Fugen geraten lässt wie es bei uns der Fall ist. Während wir in Deutschland auf hohem Niveau jammern freuen sich Menschen in anderen Ländern das sie leben und sind mit dem zufrieden was sie haben. Ich hatte nette Menschen kennen gelernt wie den Becak-Fahrer (dessen Namen ich leider vergessen habe), den Studenten Erik, der mich mit seinem Moped an viele Plätze gebracht hatte die ich höchstwahrscheinlich nie gesehen hätte und einige mehr. Es war einer meiner schönsten Urlaube die ich bis dahin verbracht hatte und ich kann es jedem nur empfehlen diese Reise anzutreten!

Jetzt fragst du dich bestimmt – Was ist eigentlich aus dem Vulkan geworden?

Nach dem ich ca. drei Wochen wieder zu Hause war und der alltägliche Trott mich wieder eingeholt hatte, lag ich in der Nacht von Freitag auf Samstag, 26./27. Mai, in meinem Bett, als mein Handy unaufhörlich klingelte. Da ich zu nachtschlafender Zeit an kein Telefon gehe, lies ich es also klingeln. Als mich ein menschliches Bedürfnis aus dem Bett trieb, schaute ich anschließend nach, wer mich angerufen hatte.

Sechs Anrufe mit unbekannter Nummer – KLASSE!

Auch zwei SMS hatte ich und ich öffnete die Erste in der stand:

„Mikel, could you already found out something, because we really need help here?

Häh, wer braucht Hilfe und was soll ich rausgefunden haben? Also nächste SMS, die eigentlich die erste war, geöffnet und mir lief es eiskalt den Rücken runter. Der Absender
war Erik, mein Modep-Fahrer und Freund aus Yogyakarta und er schrieb:

„Mikel, we just had a huge earthquake here, all houses were shaking for a long time. Our house is ruined and all people are on the street and afraid about tsunami. We also don’t have any information what is happened. Can you please have a look in the internet and inform me?

Da es mittlerweile schon 3 Uhr nachts war, die SMS mehr als eine Stunde alt, war ich geschockt und habe mit mir selbst geflucht das ich nicht ans Telefon gegangen bin. Ich startete also meinen PC und auch den Fernseher um ein paar Infos zu bekommen. N24 = Nichts, N-TV=Nichts, BBC=Nichts, CNN – Da war es! Die Sprecherin erzählte etwas über ein Erdbeben der Stärke 6.3 der Richter-Skala und im Hintergrund war das typische Bild mit den roten Kreisen für ein Epizentrum zu sehen und darüber stand – YOGYAKARTA!

Wenn man solche Nachrichten immer sieht ist man zwar nicht begeistert aber da man niemanden dort kennt auch nicht besorgt. Das war jetzt bei mir anders! Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper und stand wie angewurzelt vor dem Fernseher. Im Internet versuchte ich etwas mehr herauszufinden und schrieb zwei seismologische Institute an, die das Erdbeben ebenfalls schon auf ihrer Webseite publizierten. Keine 30min später hatte ich auch schon die Antwort und eine Gefahr für einen Tsunami bestand nicht. Mit dieser doch guten Nachricht versuchte ich über Skype Erik zu erreichen aber es konnte keine Verbindung hergestellt werden. Also versuchte ich es immer und immer wieder und schickte gleichzeitig die SMS mit der guten Nachricht. Es dauerte elend lange sechs Stunden, bis das Telefonnetz in Yogyakarta wieder arbeitete und ich mit Erik sprechen konnte.

Während CNN im Fernsehen immer noch mit Mutmaßungen ihre Nachrichten aufrecht erhielt, war ich LIVE mit Erik im Erdbebengebiet verbunden!

Erik erzählte wie das Erdbeben am frühen morgen los ging, wie lange es dauerte, wie Menschen in Panik aus den Häusern rannten etc. etc. etc. Ich telefonierte über eine Stunde mit ihm, hörte im Hintergrund wie Leute weinten und war auch am Telefon Zeuge eines Nachbebens. Ich kann dir sagen – Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so hilflos gefühlt wie in diesem Moment!

Das einzige was ich ihm geben konnte war den Rat nicht wieder zurück ins Haus zu gehen, da die meisten Todesopfer nach einem Erdbeben durch die Nachbeben zu beklagen sind, da die Häuser weiteren Beben nicht mehr standhielten und einbrachen. Dank Skype und megagünstigen Tarif standen wir das gesamte Wochenende in Verbindung. Die erste Nacht verbrachte die ganze Familie im Freien, da unzählige Nachbeben immer und immer wieder aufkamen. Da es aber auch anfing zu regnen und nichts zum abdecken vorhanden war, entschied ich mich etwas zu tun. Ich ging gleich Montag in der Früh zum Western Union Büro in Biebrich und schickte der Familie Geld, damit das nötigste was zu tun war auch getan werden konnte. Mit dem Geld konnte sie z.B. eine Plane kaufen und ein kleines Zelt vor dem Haus aufbauen um im trockenen zu sitzen.

Nach einer Woche war das gröbste überstanden, ein Statiker hat das Haus begutachtet und festgestellt, das es doch nicht so stark beschädigt war wie ursprünglich angenommen. Ich habe die Familie finanziell etwas unterstützt, damit das Haus schnell repariert werden konnte, denn das war alles was ich von hier aus machen konnte.

Wenn ich mir vorstelle, das ich zu dem ursprünglich von mir geplanten Zeitraum in Urlaub nach Yogyakarta geflogen wäre, dann wäre ich in Mitten dieses Desaster gekommen. Wie sich im nachhinein herausstellte wurde das Hotel in dem ich wohnte sehr stark beschädigt und es durfte nicht mehr betreten werden – Man stelle sich vor …..?

Wie ich bereits geschrieben hatte bin ich kein gläubiger Mensch. Aber ich habe Gott dafür gedankt das ich nicht dort gewesen bin und das erleben musste!

 

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